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Kintsugi – Miku Sophie Kühmel

Verlag: S. Fischer

Erschienen: September 2019

Seitenanzahl: 302 Seiten

Genre: Romane und Erzählungen

Kintsugi war für den Deutschen Buchpreis 2019 nomieniert, hat es bis in die Shortlist geschafft

Max, Reik, Toni und Pega glauben sich zu kennen, doch oft ist ein Unterschied zwischen Schein und Sein, also nicht überraschend, dass es hier ähnlich ist.

Max und Reik sind seit 20 Jahren ein Paar und strahlen nach aussen völlige Harmonie, Glück und Liebe aus.
Toni ist seit über 20 Jahren mit Reik sehr eng befreundet und Pega ist seine Tochter, von Pega’s Geburt an war Toni alleinerziehend und Vater zu sein seine Erfüllung.
Sie sind das, was als Wahlverwandtschaft bezeichnet wird.
Diese 4 Menschen treffen sich im Haus am See in der Uckermark um ein schönes Wochenende zu verbringen, der Roman erzählt dem Leser 24 Stunden aus dem Leben der vier.

Nachheinander erzählen sie ihre Geschichte, die persönliche, aber auch von ihrer Rolle in der selbstgewählten „Familie“, sehr sehr tiefe Einblicke in die Seelen, die Gedanken, Gefühle. Zwischen den einzelnen Personen sind kurze Unterhaltungen eingefügt in Form von Theaterpassagen.

Die Form hat mir sehr gefallen, die Story auch, die 4 Charaktere sich so nah und doch so fern und unterschiedlich, alles sehr bildhaft und greifbar.
Für mich persönlich war es jedoch etwas zu gewollt, teilweise mit nicht wirklich passenden Adjektiven überladen beschrieben, sodass es auf mich unharmonisch wirkte. Der Roman hat mich nicht berühren können, ich fühlte mich teilweise von Adjektiven erschlagen. Die Gefühle der vier und deren Wahrnehmungen seziert, für mich nicht berührend sondern beschreibend. Auch die Umgebung kam an überladenden Adjektiven nicht vorbei…wegen dem stillen, starren, ruhendem und schwarzen See hatte ich einen Ohrwurm…“Leise rieselt der Schnee, still und starr ruht der See…“, der Roman wird mich durch die Weihnachtszeit begleiten. Das beziehen des Bettes, die fluffige Wolkenbettwäsche, schwindsüchtige Bäume, anfangs wurde mir wirklich schwindelig.

Was ich sehr schade fand, war, dass die einzelnen Charaktere sich wirklich nur minimal in ihrer Art und Weise der Erzählungen von sich unterschieden. Einfach ein paar stilistische Unterschiede hätten die Personen für mich authentischer gemacht.

Den Titel finde ich perfekt, denn Kintsugi ist eine japanische Methode und Kust zerbrochene Dinge mit Gold wieder zu reparieren und in diesem Roman geht so einiges kaputt. Eine mehrmals zerbrochene Teeschale und die ganzen Risse, Wunden, Narben der Personen und in ihrem Miteinander wirklich toll. Diese geflickten Risse in uns, die uns schließlich zu dem machen, was wir sind.

Fazit: Manchmal ist weniger mehr und für mich ist ein Zuviel von vielem gewesen. 

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