Bücher November 2019, Rezensionen

Isabel Bogdan – Laufen

Titel: Laufen

Autorin: Isabel Bogdan

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Genre: Roman

Erschienen am: 03.09.2019

Format: gebunden mit Schutzumschlag

Seitenanzahl: 199

Zum Verlag: https://www.kiwi-verlag.de/buch/laufen/978-3-462-35005-0/

Herzschmerz habe ich jetzt drauf, das Herz ist auch ein Muskel, und Muskelkater habe ich ebenfalls drauf.

Laufen – Isabell bogdan

Hamburg. Die Elbe. Der Stadtpark. Eine Frau um die 40. Ein traumatisches Ereignis.

Die Protagonistin dieses Romans hat einen schrecklichen Verlust erlitten, dieses traumatische Erlebnis liegt zu Beginn des Buches ein halbes Jahr zurück und voller Trauer, Wut, Ohnmacht, Bodenlosigkeit und orientierungslos in ihrem eigenen Leben, folgt sie dem Rat ihrer besten Freundin und beginnt zu Laufen. Zunächst nur kleine Runden, sie will den Gefühlen davon laufen, der Realität für einige Zeit entkommen, den Kopf frei bekommen, doch verfolgen ihre Gefühle und Gedanken sie auf ihren täglichen Runden, lassen sich nicht ausschalten so sehr sie es sich auch wünscht und so führt ihr Laufen, welches als Davonlaufen begann durch Auseinandersetzung mit sich selber und der Erlebnisse dazu, dass sie wieder Stück für Stück Fuß fasst in ihrem neuen, anderen Leben, dem Leben danach.

Als Leser/Leserin begleiten wir sie und ihre atemlosen Wege, ihre Gefühle und inneren Monologe, die Verarbeitung und den Umgang mit dem Erlebten, die seit langem ungewohnte körperliche Anstrengung, die sie an den Rand der absoluten Erschöpfung bringen, da sie den körperlichen Schmerz angenehmer empfindet als den inneren und ihre Muskelschmerzen ablenken von ihrem Herzschmerz. Sie ist atemlos, glaubt oft nicht mehr zu können, zusammenzubrechen beim Laufen, aber auch in ihrer Welt der Trauer und Bewältigung. Mit jedem Schritt mehr sieht sie, dass sie zu viel mehr in der Lage ist, als sie selber von sich denkt und langsam kommen wieder ein paar Sonnenstrahlen in ihr Leben, wandeln den Regen in einen Regenbogen und es gibt Hoffnung, Leben, Freude.

Trotz der Traurigkeit und Schwere des Themas ist dieses Buches nicht schwer und düster, im Gegenteil, die Protagonistin begegnet ihrem Leben und sich selber mit viel Humor und Zuversicht, denn ihr Wunsch und ihr Ziel ist klar,sie möchte wieder Boden unter ihren Füßen spüren. Mit wunderbaren Freunden und viel Halt kämpft sie um und für sich.

Ein wundervolles und wichtiges Buch, welches zeigt, dass es sich lohnt einmal mehr aufzustehen, als man fällt und dass kämpfen sich lohnt, denn ansonsten hat und ist man schon verloren. Die Sprache ist toll, klar und durch sehr lange Sätze und die Wiederholungen „ich kann nicht mehr“ bin ich durch den Roman geflogen, atemlos mit ihr gelaufen, mit Tränen in den Augen und las nicht nur die Monologe der Protagonistin, ich spürte sie, all ihre Gefühle und Empfindungen. Es war schmerzhaft, erschütternd, lustig und voller Hoffnung, Zuversicht und vor allem bunt und lebhaft.

Ein absolutes Highlight und Feuerwerk der Gefühle für mein literarisches Herz!