Bücher Dezember 2019, Rezensionen

Carmen Buttjer – Levi

Titel: Levi

Autorin: Carmen Buttjer

Verlag: Galiani-Berlin

Genre: Roman

Erschienen am: 22.08.2019

Format: Hardcover m. Schutzumschlag

Seitenanzahl: 255

Das T-Shirt, das ich trug, klebte an meinem Rücken. Das war das Ende der Welt. Nicht der Moment, in dem sie anfängt.

Carmen Buttjer – levi

Levi hat mit seinen 11 Jahren schon sehr vieles erlebt, vor allem viel Unbeständigkeit.  Geboren ist er in Paris, danach hat er mit seinen Eltern in London und Brüssel gelebt, bis sie nun neu in Berlin sind. Eine Stadt viel zu groß für Levi. Nun geschieht etwas, was seine Welt völlig aus dem Ruder laufen lässt. Seine Mutter stirbt. Sie war Pathologin und als eine Leiche aus der Pathologie gestohlen wird, fällt sie den Dieben zum Opfer. Das Buch beginnt mit der Beerdigung, vielmehr mit der geplanten Beerdigung, denn den Weg in die Erde findet Levi’s Mutter nicht. Levi, der in der Trauerhalle neben seinem Vater sitzt, der ihm fremd ist und immer fremder wird, je mehr Zeit er mit ihm verbringt, steht plötzlich auf, schnappt sich die Urne mit der Asche seiner Mutter und beginnt zu laufen, rennt weg, weg von den Trauergästen, weg von seinem Vater, weg von alldem, was gerade in seinem Leben geschieht. Aber wohin mit 11 Jahren, einer Urne und einem zur Flucht geklauten Fahrrad? Levi fährt erstmal in Richtung „zuhause“ und macht am Kiosk gegenüber des Wohnhauses eine kurze Pause. Der Kiosk gehört Kolja, um die 60, ehemaliger Kriegsfotograf, der seine Erinnerungen versucht in Whiskey zu ertränken und für Levi immer wieder kleine Arbeiten im Kiosk hat, wodurch sie sich schließlich auch vertraut wurden. Doch das ist natürlich nicht der Platz um dort sein Versteck aufzuschlagen. Er geht also in die Wohnung und findet im Schrank ein Zelt, Seile und eine Luftmatratze, diese Dinge und etwas Geschirr, das größte Küchenmesser, falls er sich mal verteidigen muss, packt er in einen Karton, verlässt die Wohnung und steigt hinauf auf das Dach des Wohnhauses. Dabei begegnet er Vincent, ein geheimnisvoller und freundlicher Mann, ca 30 Jahre alt, der in der obersten Etage wohnt und nach kurzer Unterhaltung Levi etwas zu Essen zubereitet und so werden nicht nur Kolja, sondern auch Vincent für Levi Vertraute und Verbündete in dieser schweren Zeit, in der er haltlos, ziellos, alleine in dem Zelt auf dem Dach lebt, mit der Urne, in einem Dschungel mit vielen Tigern.

Levi ist eine sehr besondere Geschichte, was dem Protagonisten geschieht, die Umstände des Todes seiner Mutter und die Beziehung zum Vater sind schwere Themen, aber die Autorin schafft es die Schwere zu nehmen und leichtfüssig, teils poetisch Levi’s Geschichte zu erzählen. Levi hat eine blühende Fantasie und natürlich viele Ängste, seine kindliche Sichtweise, seine fantasiereiche Gedankenwelt und seine Entscheidungen, Handlungen, werden sehr deutlich und tragen seine Geschichte und doch ist es kein Jugendbuch, sondern ein Buch für Erwachsene, die leider oft vergessen, wie kindlich ein fast Pubertierender in seinem Herzen noch ist und wie groß die Welt und wie lang die Zeit erscheint.

Ich habe Levi gerne gelesen und das Trio, Levi, Kolja und Vincent sind jeder auf seine Art gezeichnet vom Leben und finden in dem Wunsch die jeweils eigene Vergangenheit zu verarbeiten zusammen und das auf teils sehr amüsante Weise.