Bücher Dezember 2019, Rezensionen

Fuminori Nakamura – Der Revolver

Titel: Der Revolver (Original: „Ju“, Übersetzung aus dem Japanischen: Thomas Eggenberg)

Autor: Fuminori Nakamura

Verlag: Diogenes

Format: Hardcover

Genre: Roman

Seitenanzahl: 184

Erschienen am: 25/09/2019

Es fühlte sich an, als würde der Revolver mir helfen, aus meiner verschlossenen Welt auszubrechen, als würde er mich dahin führen, wo alles möglich war.

fuminori Nakamura – der revolver

„Der Revolver“ ist das tatsächliche Debüt von Fuminori Nakamura, jedoch erschienen in Deutschland zunächst „Die Maske“ und „Der Dieb“, ebenfalls im Diogenes Verlag. Im Vorwort erklärt der Autor, dass sein Debüt bereits 2002 in Japan gedruckt wurde und ich finde, es ist ein sehr gutes Debüt.

Der junge Student Nishikawa findet in einer Regennacht am Flussufer eine Leiche und unweit von dieser liegt ein Revolver. Dem Toten schenkt er keine große Beachtung, seine ganze Aufmerksamkeit gilt der Waffe, magisch zieht sie ihn an. Er betrachtet den Revolver und steckt ihn schließlich ein, nimmt ihn mit in sein kleines Appartement und damit beginnt die Geschichte einer ganz besonderen Obsession. 

Nishikawa ist sich selbst nicht sein bester Freund und wenn ihm eines wirklich sehr oft ein Rätsel und eine Fallgrube ist, dann er sich selbst. Er lebt in den Tag hinein, geht zum Campus, trifft seine Freunde, führt keine engeren Beziehungen und konsumiert sehr viel Dosenkaffee und Zigaretten. Er reflektiert weder sich sich selber, noch sein Umfeld, macht sich über seine Handlungen und auch Nichthandlungen keine Gedanken, weder vorher über die Konsequenzen, noch währenddessen. Er ist ein stiller introvertierter junger Mann, wandelt so durch die Zeit und sein eigenes Leben ohne klares Ziel, Motivation und Hobbys, Interessen. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem er den Revolver findet. Nishikawa’s Leben verändert sich rasant und auch die Geschichte nimmt an Spannung zu, an Dichte und spannender Atmosphäre. Der Revolver wird von ihm personifiziert, wie bei Kindern Kuscheltiere oder Puppen, aus Objekten nahezu Subjekte werden. Aus der anfänglichen Faszination für den Gegenstand wird eine Besessenheit der Waffe, seine Gedanken, Gefühle, sein ganzer Tag drehen sich um den glänzenden, über Leben und Tod entscheidenden Gegenstand. Er bettet ihn liebevoll auf weichen Tüchern, poliert ihn stundenlang, obwohl es aufgrund des Glanzes gar nicht nötig wäre, aber durch den Akt des Polierens hat Nishikawa das Gefühl ihre Beziehung würde immer enger, tiefer, vertrauter. Er strotzt plötzlich vor Stolz, Tatendrang, Motivation, Selbstbewusstsein und ist kommunikativer und abenteuerlustiger als je zuvor. Es kommt der Tag an dem er seine Wohnung nicht mehr ohne seinen geliebten Fund verlässt und auch der Tag, an dem sein Wunsch und Drang den Revolver zu benutzen und abzufeuern immer mächtiger wird, an dem er seine Macht spüren möchte….

Wie Nishikawa war auch ich in einem Rausch, jedoch im Leserausch und bin an einem Abend durch das Buch geflogen, das Ende war großartig, überraschend und durchschlagend. Meine Gefühle während des Lesens sehr gemischt, die Obsession und die wachsende innere Veränderung des Protagonisten zu beobachten hochspannend, wenn auch absolut irritierend und befremdlich, nicht nachvollziehbar. Ich freue mich auf mehr von dem Autor.