Bücher, Januar 2020, Rezensionen

Ian McEwan – Die Kakerlake

Autor: Ian McEwan

Übersetzung aus dem Englischen Bernhard Robben

Titel: Die Kakerlake

Original: The Cockroach

Verlag: Diogenes

Format: Hardcover mit Schutzumschlag

Erschienen am: 27.11.2019

Seitenanzahl: 132

Beworben wurde dieses Buch unter anderem mit dem Spruch „Das Buch der Stunde“ und das ist es wohl wirklich, denn hier geht es um nichts weniger als den BREXIT. Ian McEwan, selber Brite und bekennender Gegner des Brexit, meint zu wissen, was ein Autor in solchen Zeiten zu tun hat, nämlich schreiben und bei ihm kam dabei „Die Kakerlake“ raus.

Die Ähnlichkeit an Franz Kaftka, seine Kakerlake Gregor Samsa in „Die Verwandlung“ ist nicht zufällig bzw tatsächlich vorhanden. Die ersten Sätze der beiden Bücher sind ganz ähnlich und als ich „Die Kakerlake“ begann, kam es mir so bekannt vor, dass ich zum Bücherregal gegangen bin um bei Kafka mal nachzusehen, wie da der Wortlaut war. Anders als in „Die Verwandlung“ verwandelt sich bei McEwan nicht ein Mensch in eine Kakerlake, sondern eine Kakerlake in eine Menschen, aber nicht in irgendeinen Menschen, sondern direkt in den britischen Premierminister Jim Sams. Um „Die Kakerlake“ zu verstehen ist die Kenntnis von Kafka’s Gregor Samsa irrelevant, aber das Thema des kurzen Romans, der Brexit, erfordert doch schon etwas politisches Interesse und Hintergrundinfos, denn wenn man etwas nicht versteht oder weiß, erschließt sich einem auch keine Satire darüber.

„Als Jim Sams, klug, doch beileibe nicht tiefgründig, an diesem Tag aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in eine ungeheure Kreatur verwandelt.“

Sams erster Tag, bzw der erste Tag der Kakerlake als Jim Sams, startet sehr wackelig, körperlich und auch geistig unbeholfen und ruckelig, aber das ändert sich sehr schnell in entschlossen und wild. Zunächst der eigenen Körper und dann mit Vollgas den Willen des Volkes durchsetzen, oder doch eher den eigenen, dem Volk schön verkauft? Das Kabinett, bis auf der Außenminister sind verwandelte Kakerlake und was mit diesem einzelnen Menschen geschieht überlegt Sams schnell, denn der bedeutet Gefahr. Sams‘ Plan lautet eine Umkehr der Wirtschaft und Gesellschaft, eine Neuordnung, die Gerechtigkeit und Gleichstellung für alle erreichen soll, den Reversalismus, dem gegenüber stehen die Vordreher. Vieles hat hier einen eigenen Namen, doch Ähnlichkeit und Parallelen zur Realität sind nicht zu leugnen, natürlich rein zufällig. Darauf werde ich jedoch nicht näher eingehen, denn bei 132 Seiten ist die Gefahr zu groß, dass ich viel zu viel verrate.

McEwan hat hier eine kurze Polit-Satire zu einem aktuellen Thema geschaffen, einem Thema, welches für ihn persönlich von hoher Bedeutung ist und uns zukünftig betreffen wird, die Folgen des Ganzen. Bitter, schwarz, typisch britisch, sarkastisch, ironisch, provokant, sehr einfach zu lesen, mit viel Potential, welches meiner Meinung nicht ausreichend genutzt wurde.